Es ist August in Torre di Venere, es ist heiss und wunderschön, aber die Atmosphäre im Grand Hôtel fühlt sich seltsam an.
Du bist mit deiner Familie im Speisesaal und siehst dass auf der Glasveranda Tische mit roten Lämpchen stehen, die unglaublich schön aussehen. Ihr fragt, ob ihr auch an so einem Tisch essen dürft, aber euch wird gesagt, dass diese Tische nur für "unsere Klienten" reserviert sind. Ihr fühlt euch sofort erniedrigt, also esst ihr schnell fertig und geht in euer Zimmer.
Mitten in der Nacht hustet euer Kind ein wenig wegen eines Keuchhustens. Die Fürstin im Nebenzimmer ist darüber besorgt und zwingt den Hotelmanager dazu, euch in ein anderes Zimmer zu schicken, obwohl der Arzt gesagt hat, dass es nichts Gefährliches ist.
[[Ihr akzeptiert die Entscheidung und zieht in die nahegelegene Pensione Eleonora um.->Szene2A: Tochter am Strand]]
[[Du findest diese Entscheidung respektlos und willst den Urlaub sofort abbrechen.->Szene2B: Rezeption]]
In der Pensione Eleonora bei Signora Angiolieri ist das Essen lecker, aber die Stimmung der Einheimischen bleibt. Am Strand sind die Einheimischen angespannt. Die Kinder spielen nicht mehr unbeschwert, überall wird von der Würde Italiens und nationalem Stolz geredet.
Eure Tochter läuft für wenige Sekunden nackt am Meer entlang, um ihr Trikot vom Sand zu befreien. Ein Herr im städtischen Schniepel und Melonenhut schreit euch an, er behauptet, das sei eine Beleidigung der nationalen Würde.
[[Du versuchst den Mann zu beruhigen und erklärst, dass es doch nur ein Kind ist->Szene3A: Das Urteil]]
[[Du wirst wütend und sagst ihm, dass seine Moral am falschen Platz ist->Szene 3B: Das harte Urteil]]Du stehst an der Rezeption und verlangst deine Papiere für die Abreise. Doch die Hotelangestellte redet auf dich ein: „Bleiben Sie doch! Die Kinder haben gerade Freunde gefunden, Mario, den stillen Kellnerburschen vom Café Esquisito!“ Auch deine Frau bittet dich, wegen des Aufwands nicht sofort aufzugeben.
[[Du bleibst hartnäckig. Du schreist die Hotelangestellte an und gehst zum Bahnhof, doch der Mann am Schalter erklärt dir, dass wegen eines regionalen Feiertags heute und morgen keine Züge in den Norden fahren. Du bist gefangen. ->Szene 3B: Das harte Urteil]]Weil du dich gewehrt hast, ist die Behörde im Municipio besonders gemein. Sie drohen mit Verhaftung wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses. Nur mit Hilfe eurer Wirtin rettet ihr euch vor Schlimmerem, doch die Atmosphäre ist nun endgültig ruiniert.
Am Abend hängt im Speisesaal ein Plakat für eine Zaubershow um 21:00 Uhr. Es ist spät für die Kleinen, aber die Neugier im Ort ist ansteckend.
[[Du kaufst die Karten. Du denkst: „Was soll schon passieren?“ ->Szene4A: Cipolla gutes Gefühl]]
[[Du spürst eine tiefe Warnung in deinem Körper, kaufst die Karten aber trotzdem aus reiner Schaulust. ->Szene4B: Cipolla schlechtes Gefühl]]Die Staatsmacht greift durch und ein herbeigerufener Beamter bringt euch ins Municipio. Der Vorfall mit dem nackten Kind wird als "molto grave“ (sehr ernst) eingestuft, also wirst du über die nationale Ehre belehrt und zu einer Strafe von 50 Lire verurteilt. Du zahlst, um endlich Ruhe zu haben.
Beim Verlassen des Amtshauses siehst du die neuen, grellen Plakate: Cavaliere Cipolla, Forzatore, Illusionista, Prestidigatore.
[[Die Kinder betteln. Du kaufst vier Karten, um ihnen eine Freude zu machen. ->Szene4A: Cipolla gutes Gefühl]]
[[Die Plakate stossen dich ab. Du kaufst die Karten nur, weil deine Frau sagt, man brauche nach all dem Ärger etwas Ablenkung. ->Szene4B: Cipolla schlechtes Gefühl]]Cipolla beginnt mit mathematischen Kunststücken. Er lässt Zahlen an die Tafel schreiben und hat das Millionen-Ergebnis schon vorher auf einem verdeckten Papier notiert.
Seine Stimme ist metallisch, aber er spricht ein perfektes, elegantes Toskanisch. Die Zuschauer sind gespalten, sie hassen seine Art und Weise, aber sie bewundern seine meisterhafte Schau.
[[Ein stolzer junger Italiener versucht, Cipollas Willen zu brechen und eine Karte nach freien Willen zu ziehen. Cipolla bricht seinen Widerstand mit den Worten: „Die Willensfreiheit existiert nicht!“ Du schaust wie gelähmt zu. ->Szene5: Totalitär]]
[[Du empfindest eine tiefe Scham darüber, dass die Zuschauer diesen Tyrannen applaudieren, aber die lähmende Trägheit hält dich auf deinem Platz. ->Szene5: Totalitär]]Es ist Mitternacht. Die Luft im Saal ist stickig und riecht nach Schweiss und billigem Tabak. Cipollas Macht ist nun absolut, er hat den Willen der Zuschauer komplett gebrochen. Auf der Bühne tanzen Männer wie Marionetten im Kreis. Eine englische Dame folgt ihm durch den Gang. Sogar eure Wirtin, Signora Angiolieri, lockt er mit hypnotischer Stimme nach vorne, sie starrt ihn an und hört die verzweifelten Rufe ihres Mannes nicht mehr.
Dann wandert sein Blick in den Hintergrund der Stehplätze. Sein Zeigefinger kräuselt sich, während er auf den zwanzigjährigen Kellnerburschen zeigt.
„Mario! Komm herauf, mein Sohn!“
[[Du schaust zu.->Szene6: Mario]](text-colour:red)[Du bist jetzt Mario].
Deine Gedanken sind gar nicht in diesem Saal, sie sind bei Silvestra, dem Mädchen, das du heimlich liebst. Du hast den Abend an einen Holzpfeiler angelehnt verbracht. Plötzlich rufen dich alle, der Bucklige dort vorne fixiert dich mit seinen brennenden Augen. Sein Finger winkt dich an.
[[Du willst dich nicht vor den Badegästen und deinen Fischerfreunden zum Affen machen. Doch deine Beine werden schwer wie Blei, und du machst den ersten Schritt. ->Szene7A: Das Geheimnis]]
[[Es liegt in der Natur deines Berufs als Kellner, zu gehorchen. Du denkst, wenn du schnell hochgehst, lässt er dich schnell wieder in Frieden. ->Szene7B: Gesehen werden]]Du stehst auf den Stufen des Podiums. Cipolla tritt nah an dich heran. Er riecht nach Cognac und Rauch. Er macht sich über deinen Namen lustig und streift mit seiner Hand über dein billiges Seidentuch. Ein Giovanotto im Publikum lacht schadenfroh.
Cipolla bohrt tiefer: "Du hast Kummer, Mario! Ein Mädchen? Wie heisst sie?“ Du schüttelst den Kopf, doch deine Lippen zittern.
[[Du schweigst und starrst auf seine spitzen Zähne. ->Szene8: Demütigung]]
[[Du flüsterst verzweifelt: „Nossignore!“, doch Cipolla kennt die Wahrheit bereits durch seine Intuition. ->Szene8: Demütigung]]Auf der Bühne angekommen, nimmt Cipolla dir die Scham. Er spricht plötzlich nicht mehr wie zu einem Kellnerburschen, seine Stimme wird sanft, fast väterlich. Er gibt dir das Gefühl, dass er dich als Einziger im Raum wirklich versteht. Er flüstert dir ins Ohr, dass er über deine Einsamkeit weiss. Er beschreibt die Arme eines Mädchens beim Waschen der Wäsche. Dein Widerstand verschwindet wegen der Anerkennung.
[[Du schliesst die Augen und lässt dich ganz in diese Hypnose fallen. ->Szene8: Demütigung]]
[[Ein letzter Versuch, dich zu Wehren, taucht auf, aber das Bild von Silvestras Lachen, das Cipolla dir vorzaubert, überwältigt dich. ->Szene8: Demütigung]]Cipolla flüstert mit sanfter, beschwörender Stimme: „Ich bin nicht Cipolla, Mario. Schau mich an. Ich bin Silvestra. Ich bin es, die dich liebt. Küsse mich hierher auf die Wange! Glaube, dass du es darfst!“
Die Realität verschwindet vor deinen Augen. Der Buckel, der grässliche Gehrock, die Reitpeitsche, alles verschwindet. Du siehst nur noch deine geliebte Silvestra. Du neigst dich langsam vor und drückst deine Lippen auf den Zauberer. Ein paar Sekunden lang herrscht im Saal Totenstille. Danach hörst du das laute Lachen des Giovanotto, und der ganze Saal klatscht mit Schadenfreude.
Cipolla knallt mit seiner Peitsche direkt neben deinem Ohr, und der Zauber bricht. Du begreifst, was geschehen ist, er hat deine Liebe vor der gesamten Stadt missbraucht, um dich öffentlich zu demütigen und seine Macht zu demonstrieren. Deine Hand wandert in deine Tasche. Dort spürst du das kalte Metall der kleinen Pistole, die du eigentlich niemals hättest mitnehmen dürfen.
[[Du ziehst deine Pistole. ->Szene9: Das Ende]]
Du hebst den Arm. Cipolla erkennt die Gefahr im letzten Moment und springt von seinem Stuhl auf, um seine Peitsche zu schwingen.
Zwei Schüsse unterbrechen das Gelächter des Saales. Cipolla fällt seitlich vom Sitz herunter auf den staubigen Boden der Bühne, es bleibt nur ein regloses, durcheinandergeworfenes Bündel aus Kleidern und schiefen Knochen.
Damen schreien und verbergen ihre Gesichter, Menschen stürmen nach vorne. Du stehst da, die Waffe noch in der Hand, befreit, aber für immer von diesem Abend verändert.
[[Zum Epilog->Epilog]]Der Erzähler nimmt seine weinenden, verstörten Kinder an die Hand und führt sie eilig nach draussen in die Nachtluft. Die Kinder fragen im Gehen: „Papa, war das auch noch Theater? Ist das das Ende?“
Der Erzähler antwortet schwer atmend: „Ja, das war das Ende. Ein Ende mit Schrecken, ein höchst fatales Ende. Und ein befreiendes Ende dennoch, ich konnte und kann nicht umhin, es so zu empfinden!“
(button:)[(link: "Spiel Neustarten")[(reload:)]]Die Vorstellung findet im ärmeren Fischerviertel statt und der Saal ist überfüllt. Es ist weit nach halb zehn, als der Vorhang endlich aufgeht.
Cavaliere Cipolla betritt die Bühne, er ist ein Mann mit scharfem Gesicht, buckliger Gestalt, einem Peitschenriemen am Arm und einer klauenartigen Silberkrücke. Er begrüsst niemanden, raucht arrogant, starrt das Publikum an und kippt ein Glas Cognac nach dem anderen.
[[Du beobachtest, wie er einen jungen Fischer mit Blicken und dem Knallen seiner Peitsche zwingt, sich vor simulierten Schmerzen am Boden zu krümmen. Du bleibst sitzen und schaust zu. ->Szene5: Totalitär]]
[[Das Spektakel wird dir unheimlich. Du flüsterst deiner Frau zu, dass ihr mit den Kindern gehen solltet. Doch der Gang ist von Einheimischen blockiert. Ihr bleibt gefangen. ->Szene5: Totalitär]]